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„Heizen mit Eis“

verfasst von: redaktion am
Gesellschaft 
Im Kamp wird soll ökologisches Vorzeige-Wohnquartier werden

Rommerskirchen Heizen mit Eis? Was dem physikalischen Alltagsverständnis diametral zu widersprechen scheint, ist bei fachgerechter Ausnutzung thermodynamischer Gesetzmäßigkeiten durchaus möglich.

Bei der Kälte - und Wärmeversorgung des Widdeshovener Neubaugebiets „Im Kamp“ jedenfalls wollen die Gemeinde und die rhenag Rheinische Energie AG neue Wege in diese Richtung gehen und aus dem Areal ein ökologisches Vorzei-geprojekt machen: Eine zentrale Energieversorgung für das gesamte Quartier, in dem neben PV-Modulen und Luftabsor-bern auch ein Eisspeicher als weitere regenerative Energie-quelle eingebunden ist, bildet das Herzstück des Projekts.
Mit dem Baustart ist in Kürze zu rechnen, wobei Im Kamp sechs Einfamilienhäuser, sechs Tiny Houses sowie zwei Doppelhaushälften entstehen und zwei Bestandsgebäude umgebaut werden sollen.

Den entsprechenden Vertrag für das innovative Wärmekon-zept in unterzeichneten jetzt Bürgermeister Dr. Martin Mer-tens und rhenag- Vorständin Dr. Catharina Friedrich im Ratssaal. Sowohl die rhenag als auch die Gemeinde betre-ten Neuland, sowohl für die Kommune als auch das Unter-nehmen ist der „Eisspeicher“ eine Premiere. Entstehen wird nach den Worten von rhenag-Projektleiter Tim Winterscheid ein „in sich geschlossenes Netz für das Baugebiet“, mit des-sen Fertigstellung im Sommer 2022 zu rechnen sei.

„Mit dem Eisspeicher realisieren wir zusammen mit der rhenag ein technisches Vorzeigeprojekt, das die immer wie-der politisch geforderte Wärmewende in unserem neuen Baugebiet Realität werden lässt“, so Bürgermeister Dr. Mar-tin Mertens. „Wir bieten damit jungen Familien die Möglich-keit, ihren Traum von den eigenen vier Wänden in Überein-stimmung mit den zentralen Herausforderungen Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu realisieren“, betont Mertens. Der Bür-germeister ist sich sicher: „Die Technik, die hier verbaut wird, wird auch noch in 30 Jahren auf der Höhe der Zeit sein.“

Dr. Catharina Friedrich nennt konkrete Zielvorgaben: „Wir gehen davon aus, durch das innovative Wärmequellenma-nagement und die intelligente Nutzung der Ressourcen in diesem Neubauquartier über 20 Jahre hinweg knapp 600 Tonnen CO2 im Vergleich zur konventionellen Wärmever-sorgung sparen zu können. „Wir sind sehr glücklich, in der Gemeinde Rommerskirchen diesen innovativen Leuchtturm umsetzen zu können. Hier wird deutlich, was im Neubau in puncto Erneuerbare Wärme heute möglich ist“, sagt die rhenag-Chefin.

Künftige Bauherren profitieren in diesem Modell von klima-neutraler Wärme- und Kälteerzeugung ohne eigene Pla-nungs-, Investitions- und Betriebskostenrisiken. Die gesetz-lichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes sind durchweg erfüllt. Zudem entfällt durch die Energiezentrale für das gesamte Quartier auch die Außenaufstellung von Energietechnik am jeweiligen Objekt. Dies wertet die Bau-Optik auf.

Funktionsprinzip Eisspeicher
• Der Eisspeicher ist eine im Boden eingelassene Zisterne aus Beton, die mit Wasser gefüllt ist;
• Im Winter greift das Wärmepumpenmanagement auf den Wasserspeicher als zusätzliche Wärmequelle zu. Dem Was-ser wird über die im Eisspeicher verlegten Wärmetauscher Energie entzogen, die im Nahwärmenetz mittels eines Sole-Wasser-Gemisches zu den Wärmepumpen der einzelnen Häuser gelangt;
• Durch den Wärmeentzug gefriert das Wasser in der Zis-terne von innen nach außen. Der Clou hierbei: Beim Über-gang des Wassers zu Eis wird weitere Energie freigesetzt. Die Vereisung von zehn Kubikmeter Wasser bringt einen Energiegewinn, der ca. 100 Litern Heizöl entspricht;
• Dieser Energiegewinn aus dem Kristallisationsprozess ist der physikalische Hintergrund, wenn wir vom „Heizen mit Eis“ sprechen;
• Im Sommer spielt der Eisspeicher dann seine zweite Stärke aus: das natürliche Kühlen ohne Energieeinsatz. Das Tau-wasser des über den Sommer auftauenden Eises, das im Winter als kostenloses „Abfallprodukt“ entstanden ist, wird in die Häuser geleitet und sorgt dort für angenehme Kühle – ohne Betrieb der Wärmepumpe.
• Am Ende des Sommers fungiert die Zisterne wieder als Zwi-schenspeicher, das Wasser wird mit überschüssiger Wärme aus den Solarthermieanlagen aufgeladen. Der Kreislauf be-ginnt von Neuem.

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